Der Gang zum Insolvenzgericht ist nicht leicht, aber …

… oftmals ist der Gang zum Insolvenzgericht der einzig richtige

Für Unternehmer, die lange und hart um das Überleben in der Krise gekämpft haben, ist der Gang zum Insolvenzgricht ein sehr tiefgreifendes Erlebnis. Es ist aber kein Eingeständnis des persönlichen Scheiterns.

Das was es hart zu vermeiden galt, ist dennoch eingetreten: Die Insolvenz. Leichtfertig tritt gewiss keiner diesen letzten Gang an.

Dabei ist der Gang zum Insolvenzgericht oftmals der erste Schritt in ein wieder normales und geordnetes Leben mit einer Perspektive für die Zukunft.

Die Insolvenzordnung kann hier wörtlich genommen werden, es kehrt “Ordnung” in das Geschehen ein.Eine Ordnung, in der sich vieles, was zuvor mehr oder weniger als Chaos empfunden wurde, wieder steuern und planen lässt.

Sei es der unternehmerische Neubeginn, die geordnete Regulierung von Altlasten oder auch nur wieder sorgenfrei an den nächsten Tag denken zu können.

Viele Unternehmer sehen in einer Unternehmenskrise den Gang zum Insolvenzgericht – wenn überhaupt – als die allerletzte Option. Oftmals deshalb, weil keine hinreichend Kenntnisse über die Sanierungsmöglichkeiten im Rahmen der Insolvenzordnung bestehen und vor allem auch nicht erkennen können, dass dieser Weg im Grunde längst vorprogrammiert ist.

Das “Schreckgespenst Insolvenz” ist gesellschaftlich immer noch weit mehr verbreitet als das “Ordnungsinstrument Insolvenz”.

Und das wird wohl auch noch eine Zeit so bleiben, denn wir leben nach wie vor in einer Gesellschaft, in das unternehmerische Scheitern den Mythos des ewigen Wirtschaftswunderlandes nicht beschädigen darf. Nur wie sieht es wirklich aus?

Der Gang zum Insolvenzgericht ist kein Eingeständnis unternehmerischen Scheiterns, es ist das politisch gewollte und unternehmerisch strategisch richtige Instrument, einer außer Kontrolle geratener Unternehmenskrise zu begegnen.

Nicht allein das unternehmerische Scheitern ist Auslöser einer Insolvenz. Oftmals ist der wahre Auslöser die Unvernunft der beteiligten Parteien, eine Unternehmenskrise gemeinsam und mit gegenseitigem Beisteuern von Sanierungsbeiträgen zu begegnen.
Der Gang zum Insolvenzgericht wird selbst dann aufgenötigt, wenn eine Aussicht auf eine Befriedigung besteht, weil es einerseits der Automatismus der Beitreibung von Forderungen nicht anders zulässt und anderseits die Insolvenzordnung selbst einer außergerichtlichen Sanierung im Weg steht.

Wenn Gläubiger keine Lösung haben wollen

Insbesondere öffentlichen Kassen stellen sich in einer Unternehmenskrise strikt gegen eine konstruktive Lösung und verschanzen sich hinter internen behördlichen Vorgaben und gesetzlichen Bestimmungen, die explizit die Insolvenz und den Totalverlustes von Beitrags- und Abgabenforderungen vorsehen. Trotz der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, die eine konstruktive Lösung ermöglichen sollen, werde Anträge auf Stundung, Teilzahlung oder Teilerlass im außergerichtlichen Sanierungsprozess fast ausnahmslos abgelehnt. Die zuständigen Sachbearbeiter lehnen es in aller Regel ab, solche Zahlungserleichterungen persönlich verantworten zu müssen und im Insolvenzfall bedarf es keiner persönlichen Verantwortung.

Missgeschicke sind in unsrer Wirtschaft nicht erlaubt: Gerät ein Kapitän in Seenot, so befiehlt die Admiralität nicht die Rettung aus der Seenot, sondern die Aufgabe des Schiffes samt des Kapitäns. Das macht Platz für ein neues Schiff mit einem neuen Kapitän, der keine Fehler macht.

Man nennt das auch “Marktbereinigung”. Nur wer fehlerfrei funktioniert, hat ein Anrecht zur Teilnahme am Wirtschaftsleben. Diese Sichtweise hält nur längst nicht mehr Stand. Es gibt keinen endlosen Erneuerungsprozess, aus dem immer wieder neue und diesmal bessere Kapitäne hervorgehen. Die Zyklen der Krisen (auch global) werden immer kürzer und sind kaum noch berechenbar. Deshalb sind die tatsächlich krisenerprobten Manager die wirklichen Unternehmensretter und werden in Großkonzern wie Gold gehandelt.

Wenn Gläubiger Erfahrungen mit Insolvenzverwaltern hatten

Zunehmend kehrt sich die Insolvenzordnung von innen nach außen. Die Insolvenzordnung selbst hemmt die Zustimmungsbereitschaft von Gläubigern, eine außergerichtliche Sanierung mitzutragen. Grund sind die Ausuferungen der letzten Jahre im Bereich der insolvenzrechtlichen Anfechtung. Gläubiger, die bereits einschlägige Erfahrungen mit Insolvenzverwaltern bzgl. der Anfechtung erhaltener Zahlungen gemacht haben, bevorzugen zukünftig lieber ein Ende mit Schrecken als ein Ende mit dem eigenen Ende.

So kann bspw. einem Gläubiger, der einem Unternehmen in Krise eine Ratenzahlung gewährt hat, dies selbst Jahre danach zum Verhängnis werden, wenn es erneut zu einer Krise und diesmal zur Insolvenz des Schuldners kommt, die sogenannte “Vorsatzanfechtung”. Hier ist dringend der Gesetzgeber gefordert, diesem Spuk ein Ende zu bereiten.

Bis dahin wird aber ein Gläubiger mit einschlägigen Anfechtungserfahrungen es kaum noch wagen, eine außergerichtliche Sanierung mitzutragen.

Betrachtet man die Situation von Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten genau, müssen wir erkennen, dass wir uns gegenwärtigen im Zeitalter der Insolvenz befinden.

Dabei ist der Vorwurf des Scheiterns und der sich damit ergebenen persönlichen „Schuld“ angesichts der Mechanismen, die in Insolvenz führen, nicht alleine auf den Unternehmer abzuwälzen.

Der Gang zum Insolvenzgericht ist oftmals der einzig richtige, weil die Insolvenzordnung mehr und mehr zum Regelinstrument der Unternehmenssanierung wird. Deshalb ist der Gang zum Insolvenzgericht auch ein erster Schritt für eine Befreiung aus der alles lähmende Unternehmenskrise. Es ist ein Schritt in eine bessere Zukunft.

Das erfordert aber auch, dass Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten anfangen umzudenken. Der vehemente Versuch einer außergerichtlichen Sanierung ist oftmals ein Kampf gegen die Windmühlen. Es ist Zeit, sich der Herausforderung der “Insolvenz-Sanierung” zu stellen.

Hierzu bedarf es einer fundierten Information über diese insolvenzrechtlichen Sanierungsmöglichkeiten.

Wir geben Ihnen diese Information.

Johannes von Sengbusch
Vorsitzender
im Bundesverband Selbständige – sido! e.V.